Zu den vorrangigen Problemen des deutschen Mittelstands zählt die zu geringe Eigenkapitalausstattung. Obgleich der Börsengang (auch IPO oder Going Public) eine hervorragende Möglichkeit der Eigenkapitalbeschaffung ist, wird sie von mittelständischen Unternehmen nur zögerlich genutzt. Neben den Informationsdefiziten über einen Börsengang liegt eine weitere Ursache im Vorherrschen von Familienunternehmen bzw. inhabergeführten Unternehmen im Mittelstand. Derartige Unternehmen tun sich schwer, in den bisherigen (eher geschlossenen) Eigentümerkreis eine Vielzahl neuer Gesellschafter aufzunehmen, regelmäßig Informationen über die Geschäftsentwicklung zu veröffentlichen und extern Rechenschaft abzulegen.

Trotz dieser Argumente ist eine Reihe von weiterhin im Familienbesitz befindlichen mittelständischen Unternehmen an der Börse notiert. Offensichtlich werden – dies belegen Befragungen börsennotierter Unternehmen – die als negativ empfundenen Aspekte eines Börsengangs (deutlich) überschätzt. Natürlich bedingt die Kapitalerhöhung zum Börsengang die Erweiterung des Gesellschafterkreises. Der Einfluss der Alteigentümer auf das Unternehmen wird jedoch nicht gefährdet, solange sie die Aktienmehrheit besitzen. Vielmehr sichert die Stärkung der Eigenkapitalbasis den Alteigentümern die Kontinuität und Unabhängigkeit ihres Unternehmens. Die aus der Börsennotierung erwachsenden Informationspflichten und die sich in der Aktienkursentwicklung spiegelnden Reaktionen der Investoren stellen ein wirksames Korrektiv für eine nachhaltige wertsteigernde Unternehmenspolitik dar. Und davon profitieren die Alteigentümer am stärksten.

Ungeachtet dessen sollten bei der Entscheidung über einen Börsengang die unternehmerischen Aspekte im Vordergrund stehen. Die mit dem Börsengang verbundene (deutliche) Verbesserung der Eigenkapitalausstattung stärkt die Anpassungsfähigkeit des Unternehmens an sich ändernde Umweltbedingungen. Diese ist notwendig, da der Großteil der mittelständischen Unternehmen heute vor dem Problem steht, dass Technologiesprünge, kürzer werdende Produktlebenszyklen oder notwendige strategische Investitionen hohe finanzielle Vorleistungen erfordern. Dabei kann der Mittelstand nicht mehr wie früher auf eine umfangreiche Kreditfinanzierung durch die Banken vertrauen, schon gar nicht bei einer schwachen Eigenkapitalausstattung. Infolgedessen bestimmt die Eigenkapitalausstattung und die Fähigkeit Eigenkapital zu beschaffen maßgeblich die Chancen von Unternehmen im Wettbewerb.

Die Wachstumsfinanzierung ist mit Abstand das dominierende Argument für einen Börsengang. Dennoch sind mit dem Börsengang eine Reihe weiterer positiver Effekte für die Unternehmensentwicklung und die Eigentümer verbunden:

  • Stärkung der Eigenkapitalausstattung
  • Unabhängigkeit des Unternehmens von der Finanzkraft des Inhabers
  • Schaffung eines unternehmensrisikofreien Privatvermögens durch Platzierung von Aktien der Alteigentümer
  • Sicherung des Lebenswerks „Unternehmen“, falls es keinen Nachfolger in der Familie gibt
  • Verbesserung der Reputation und Steigerung des Bekanntheitsgrades mit positiven Effekten für die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens
  • Steigerung der Bonität und damit des Kreditfinanzierungsspielraums
  • Größere Arbeitgeberattraktivität
  • Die Aktie kann aufgrund ihrer Fungibilität und ihres objektivierten Wertes als Akquisitionswährung eingesetzt werden

Motive eines Börsengangs

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