Eine Analyse der Neuemissionen 2017 inklusive des neuen Handelssegments Scale von Dr. Konrad Bösl, Geschäftsführer bei der Blättchen & Partner GmbH in  München.

Im Jahr 2017 gab es in Deutschland elf Neuemissionen (Vorjahr sechs) mit einem öffentlichen Angebot, davon vier im neuen Handelssegment Scale. Erst die fünf Börsengänge im 4. Quartal retteten die Neuemissionsbilanz 2017. Mit AlzChem musste nur ein Emittent den Börsengang kurz vor Notierungsaufnahme absagen (Vorjahr zwei). Das Emissionsvolumen lag mit gut 2,64 Mrd. € auf dem tiefsten Stand seit 2011 und hat sich gegenüber dem Vorjahreswert nahezu halbiert. Kein Börsengang in Deutschland erreichte beim Emissionsvolumen die Milliardengrenze (Vorjahr eine). Weltweit gab es in 2017 so
viele Neuemissionen wie seit zehn Jahren nicht mehr. Im Vergleich dazu blieb die Neuemissionstätigkeit in Deutschland wie schon seit Jahren unbedeutend.

I. Neuemissionstätigkeit in Deutschland kann im internationalen Vergleich nicht bestehen

Die Rahmenbedingungen für Börsengänge waren in Deutschland 2017 sehr positiv. Das historisch niedrige Zinsniveau hielt weiter an und trug zu einer starken konjunkturellen Entwicklung bei. Der DAX übersprang zum ersten Mal in seiner Geschichte die 13.000 Punkte Marke und legte im Jahresverlauf um rd. 12,5% zu. Die Anzahl an Neuemissionen verdoppelte sich in Deutschland nahezu, was der weltweiten Steigerung an Börsengängen um rd. 49% entspricht. Von dieser Parallelität darf man sich nicht täuschen lassen, denn das Ausgangsniveau war in Deutschland mit sechs Börsengängen im Jahr 2016 sehr niedrig. Während das Emissionsvolumen weltweit um 40% angezogen hat, ging es in Deutschland um rd. 53% zurück. An der weltweiten Neuemissionstätigkeit hat Deutschland lediglich einen Anteil von knapp 0,7% bezogen auf die Anzahl an Neuemissionen, bzw. 1,5% am Emissionsvolumen. Die darin zum Ausdruck kommende Schwäche der Neuemissionstätigkeit in Deutschland besteht nun schon seit Jahren. Auch im europäischen Vergleich zeigt sich, dass die in Europa führende Wirtschaftsnation Deutschland seit Jahren bei der Neuemissionstätigkeit zurückliegt. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Neuemissionen in Europa um ca. 44,8%, das Emissionsvolumen sogar um ca. 45,4%.

II. Wesentliche Merkmale der Neuemissionen 2017

Insgesamt gab es in Deutschland 2017 elf Neuemissionen,bei denen Aktien im Rahmen einer öffentlichen Zeichnung angeboten wurden . Zehn der elf Emittenten haben ihren Sitz in Deutschland. Bemerkenswert ist, dass fünf der Emittenten im Jahr vor dem Börsengang noch einen Verlust ausweisen mussten.
Darunter drei der sieben Emittenten, die ihre Aktie im Prime Standard notieren ließen und darunter wiederum gemessen am Umsatz die beiden größten Neuemissionen HelloFresh (EBIT-Marge -15,2%) und Delivery Hero (EBITMarge -53,8%), wie Abb. 14 zeigt.

weiterlesen