… Dr.-Ing. Gunther Vollrath CEO / Vorstandsvorsitzender Aifotec AG

1. Aifotec ist ein Entwicklungs- und Produktionsdienstleister. Was hat man sich darunter vorzustellen und auf welchen Gebieten liegen die Entwicklungsschwerpunkte?

In der Elektronikbranche ist das Geschäftsmodell EMS (Electronic Manufacturing Service) ein typisches Geschäftsmodell. So werden elektronische Chips in Designhäusern entworfen, in externen Fabriken hergestellt und auch das finale Assembly extern (zumeist in China) durchgeführt. Ein typisches Beispiel für dieses Geschäftsmodell ist die Firma Apple.

In der Photonik ist dieses Geschäftsmodell noch relativ neu, da die photonische Technologie ca. 30 Jahre hinter der elektronischen Technologie hinterher ist. Bisher gibt es einige Player auf dem Markt (zumeist in Thailand), aber das Geschäftmodell ist noch relativ jung. Die Aifotec AG kombiniert das Modell des PMS (Photonic Manufacturing Service) mit PDS (Photonic Development Service) und hebt sich damit von den Wettbewerbern ab.

Aifotec AG Reinraum mit vollautomatischen Justageanlagen

 

2. Aifotec entwickelt und produziert unter anderem in Kleinserie das LIDAR-System für autonomes Fahren. Was ist das Besondere an LIDAR und warum wird sich das System zu einer Schlüsselkomponente für autonomes Fahren entwickeln?

Gegenüber kamerabasierenden Systemen oder auch Radar oder Ultraschall hat ein laserbasierendes System den Vorteil einer dreidimensionalen Darstellung, hoher Reichweite sowie hoher Auflösung. Auch wenn für zukünftiges autonomes Fahren diverse Komponenten zum Einsatz kommen werden bzw. schon im Einsatz sind (z.B. Ultraschall für Nahfeldsensoren oder Kameras, eingesetzt für Einparkhilfen) sowie Radarsysteme zur automatischen Abstandskontrolle, so ist LIDAR sicherlich eine Kernkomponente für autonomes Fahren.

3. Die photonische Technologie hat ein großes Potenzial in der zum Beispiel in Medizintechnik und verspricht für Diabetiker ein Mehr an Lebensqualität. Was steckt dahinter und wann kann mit der Markteinführung gerechnet werden?

Die gesamte Bandbreite der photonischen Technologie steckt noch in den Kinderschuhen und neue Anwendungsgebiete erschließen sich erst. Während die optische Datenübertragung („Fiberoptics“) etabliert ist und zum Beispiel für die Fernübertragung wie auch innerhalb von Rechenzentren („Cloud Computing“, „Big Data“, Industry 4.0“) eingesetzt wird, ergeben sich auch vollkommen neue Anwendungsgebiete wie das weiter oben beschriebene autonome Fahren oder Anwendungen in der Medizintechnik. Ein Beispiel hierfür ist die optische Messung des Blutzuckerspiegels. Dabei wird ein kleiner Chip unter die Haut implantiert, welcher per Funk den Blutzuckerspiegel z.B. an ein Smartphone überträgt. Eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität für Diabetiker. Eine Markteinführung im Bereich der Medizintechnik ist aufgrund der erforderlichen Genehmigungsverfahren schwer vorhersagbar.